| 5. November
2009 - http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dlfmagazin/1064906/
Von Almuth Knigge
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Die Mauer ist wieder da! Grenzstreit
in Schönberg
Ein früherer Stasi-IM und Grenzkommandeur, Michael Heinze,
wurde in Schönberg zum Bürgermeister gewählt. Dies
führte zum heftigen Streit unter den Bürgern - und zu
einer Spaltung in Heinze-Befürworter und -Gegner.
Hunderte Offiziere wohnten hier, Grenzer, Zöllner, Mitarbeiter
der Staatssicherheit, dazu kamen freiwillige Helfer der Grenztruppen.
Viele sind geblieben. Einer davon ist Michael Heinze, ehemaliger
Grenzkommandeur, ehemaliger Bürgermeister der Stadt.
"Ich bin Jahrgang 1956, ein
Kind der Deutschen Demokratischen Republik. Ich bin sozialistisch
erzogen, in der Familie, im Kindergarten und in der Schule. Ich
habe studiert und danach versucht, mit meinem Dienst in den Grenztruppen
der DDR meinem Staat etwas zurückzugeben, was er mir gegeben
hat."
Michael Heinze steht auf dem Schönberger Marktplatz und erklärt
sich. Um ihn herum gut 200 Bürger, mit Kerzen in der Hand.
Kommentar - FALSCH:
Heinze hat sich zuerst bei den Grenztruppen verpflichtet,
um Karriere zu machen -1975
(pikanter weise das Jahr der Stasi-Verpflichtung
von Arzt Dr. Aurich in Schöberg als IM Reinhard Kursitzki -
Heinze's Befürworter, Initiator der Pro-Heinze-Demos, in schönberger
Vereinen gemeinsam in Vorstand oder anders verbandelt -
auch er als IM verpflichtet - um seine Mitarbeiter - Ärzte,
Pflegepersonal etc. und die Patienten zu bespitzeln -
gegen Geld ca. 3000 Mark und wertvolle Geschenke für die Jagd
u.a.)
Dafür durfte dann Heinze "studieren" - an der Militärakademie
- und das hat absolut gar nichts mit dem zu tun, was dem Wunsch
nach einem Studium (egal was) entspricht -
und danach "bedankt" er sich mit der
Verpflichtungserklärung als IM Richard -
und um die Karriere zu beschleunigen.
Von wegen dem Staat was zurückgeben -
weil dieser so super-sozialistisch die Bildung ermöglicht hat
-
Dies ist eine öffentliche Lüge, um eine weitere Legende
zu bilden.
Michael Heinze, heute Mitglied der Linkspartei, früher Stasi-IM,
wurde im Juni dieses Jahres mit einer überwältigenden
Mehrheit der 32 Prozent, die zur Wahl gegangen sind, zum Bürgermeister
der 4400-Seelen-Stadt wiedergewählt. Und dass er bis heute
sein Amt nicht antreten konnte, und dass seine Wähler nun für
ihn auf die Straße gehen, ist weit mehr als nur eine Provinzposse
aus dem Osten der Republik. Es ist eine Geschichte von nicht aufgearbeiteter
Vergangenheit, von der viel zitierten Mauer in den Köpfen und
von falsch verstandener Demokratie; eine Geschichte von neuem Streit
an der alten Grenze, die die Bürger nicht zur Ruhe kommen lässt.
"Die sind doch bescheuert."
"Das ist die Demokratie, die die Westdeutschen gebracht haben."
"Ich denk mal so: Krieg - mit Krieg wird das enden irgendwie.
Die Stadt kommt nicht zur Ruhe, die ist in zwei Lager gespalten.
Alles liegt tot am Boden."
Es ist der 14. September, wieder einmal haben sich Schönberger
Bürger versammelt, um gemeinsam zur Stadtvertretersitzung zu
ziehen, wo erneut über das Schicksal von Michael Heinze entschieden
werden soll. Der Protestzug hält an einem Haus an der Durchgangsstraße
in Schönberg. Hier wohnt Helmut Preller, ein Künstler
aus Hamburg. Er filmt seine vorbeiziehenden Mitbürger, seit
Kurzem überwacht er den Bürgersteig und sein Grundstück
mit Videokameras. Er hat Morddrohungen erhalten.
"Bespitzelst du uns, Preller, oder was? Ist keine Stasi mehr
hier. Oder willst du die neu einführen in Schönberg, bei
uns hier. Scher dich ab nach Hamburg, wo du hergekommen bist. Da
bist du richtig."
Was ist hier passiert? Als der alte Bürgermeister am 7. Juni
erneut zum Stadtoberhaupt gewählt wurde, hatte Helmut Preller
die Wahl angefochten. Er hatte herausgefunden, dass Michael Heinze
Stasimann war, Deckname "Richard". Heinze, so Preller,
hat die Bürger arglistig getäuscht. Bei der Bewerbung
zum Bürgermeister 2004 hätte er auf einem Formblatt ankreuzen
müssen, ob er Stasizuträger war oder nicht. Das hat er
nicht getan. Mal sagt er, die Leute wussten von seiner Vergangenheit,
mal sagt er was anderes.
"Weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte. Und
dann gab es damals die Situation, dass die rot-rote Landesregierung
sich eigentlich entschlossen hatte im Koalitionsvertrag, die Regelüberprüfung
abzuschaffen."
Kommentar: ein Stabschef der Grenztruppen,
der das ganze Berichtswesen der Grenztruppen wie ein Klavier spielt,
will mit einem Formblatt nicht umgehen können, das jeder andere
Beamte ausfüllen kann? Wer will hier wen hinters Licht führen?
Schlimmer wiegt für den Heinze-Gegner Preller allerdings,
dass der ehemalige Bürgermeister wegen des an der Grenze verübten
Unrechts gegen Menschenrechte verstoßen habe. Das schließt
eine Ernennung zum Bürgermeister absolut aus. Heinze selber
habe zwar nie geschossen, aber während seiner Dienstzeit und
unter seiner Mitwirkung sind Hunderte von DDR-Flüchtlingen
festgenommen und der SED-Justiz übergeben worden.
Zu Beginn dieses Jahres ist ein Buch herausgekommen. "Grenzerfahrungen"
heißt es, und auch Michael Heinze hat seine Erfahrungen beigesteuert.
"Der Dienst war sehr spannend" ist die Überschrift
zu dem 14-seitigen Kapitel und Heinze schreibt, wie er sich nach
der Wende über die Politoffiziere geärgert habe, die sofort
ihre Parteibücher weggeschmissen hätten. Er wollte bewahren
und reaktivieren. Auch deswegen hat Helmut Preller in Schönberg
ein Kunstprojekt gestartet und am 13. August neben seinem Haus sogar
die Mauer wieder errichtet.
"Sie ist von mir als Gegenentwurf zu andern Gedenkfeiern entstanden.
Ich will damit ein Statement für die Opfer des Grenzregimes
darstellen."
Auf der 30 Meter langen Mauer liegt scharfkantiger Stacheldraht,
eine Akte über zwei ermordete Schüler ist daran geklebt.
Jemand hat darüber geschmiert "Demokratie ist hier die
der Besserverdienenden". Andere haben Bananen rübergeschmissen,
wieder andere mit der Spitzhacke ein Loch in die Mauer gehauen.
Die Schönberger empfinden das nicht als Kunst sondern als Provokation.
"Es kann nicht sein, dass jemand von drüben kommt, der
hier nicht gelebt hat und hier so ein Theater macht, und will unsere
Vergangenheit aufarbeiten. Die arbeiten wir alleine auf. Jeder für
sich. Und dadurch ist ja die ganze Stadt jetzt gespalten."
"Und hier war die Staatsgrenze. Die musste geschützt
werden, das war so. Wir haben hier gelebt."
Helmut Preller ist ein streitbarer Mensch. Er hat Artikel über
den "Fall Heinze" öffentlich ausgehängt. Daraufhin
klebten Bürger Zettel darüber, auf denen stand "Preller
amputieren", "Pack deine Koffer" und "Isolieren,
aber richtig". "Isolieren" meint im Stasijargon die
Internierung Andersdenkender.
Preller bleibt standhaft. Für die Opfer von Repression sagt
er, damit sie sehen, dass man sich in einer richtigen Demokratie
wehren kann. Schützenhilfe bekommen Heinze-Kritiker auch von
der Stasilandesbeauftragten in Schwerin. Unglaublich sei es, dass
jemand mit einer Biografie wie Heinze überhaupt zu einer Wahl
für ein öffentliches Amt angetreten sei. Die Bürger,
die für Heinze auf die Straße gehen, interessiert das
nicht. Viele sagen, ist doch klar, dass ein Grenzkommandeur Kontakt
zur Stasi hatte. Und außerdem habe sich bis jetzt noch keiner
gemeldet, dem er geschadet habe.
"Ich sag mal, aufarbeiten musst du das Thema. Aber das ist
unsere Vergangenheit. Es war ja auch nicht alles schlecht, aber
du traust dich das ja nicht zu sagen. Es war so: Es wimmelte hier
von Offizieren und Soldaten. Es war so."
Preller sagt, dass es beim Verstoß gegen Menschenrechte keinen
Schlussstrich geben kann. Der Künstler ist mit seiner Aktion
noch lange nicht fertig: Die Mauer, die er am 13. August dieses
Jahres aufgebaut hat, wird am 9. November - dem Tag des Mauerfalls
- nicht einfach demontiert. Sie wird auf Reisen geschickt. Bis zum
13. August 2011, dem 50. Jahrestag des Mauerbaus, sollen 16 Künstler
aus 16 Bundesländern anhand der mobilen Mauer weiterhin deutsch-deutsche
Grenzen ausloten.
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